Egal ob Chia Samen, Gerstengras, Goji-Beeren und viele mehr –  sie alle erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Der Grund dafür? Diesen Lebensmitteln wird ein überaus großer Nutzen für die Gesundheit nachgesagt. Man zählt sie deshalb zu den sogenannten „Superfoods“. Diese sind mittlerweile nicht mehr nur im Biofachhandel oder in Reformhäusern erhältlich, sondern stehen auch bei vielen herkömmlichen Supermärkten im Regal. Doch woher kommt die plötzliche Begeisterung für diese Lebensmittel und was steckt tatsächlich dahinter?

Was sind Superfoods?

Vorweg muss klargestellt werden, dass es sich bei diesem Begriff um keine offizielle Bezeichnung handelt. Superfoods sind also weder gesetzlich geregelt noch geschützt. Dennoch gibt es eine Vielzahl an Lebensmitteln – zumeist pflanzlichen Ursprungs -, die von Anbietern als Superfoods bezeichnet werden.

Der Begriff dient dabei in erster Linie dazu, Konsumenten auf die hohe Nähr- und Vitalstoffdichte der besagten Lebensmittel aufmerksam zu machen. In diesem Zusammenhang wird häufig darauf hingewiesen, dass Superfoods angeblich nicht nur entgiften und entschlacken, sondern auch Krankheiten vorbeugen und das Immunsystem stärken können.

Die Top 10 der Superfoods

Wie bereits eingangs erwähnt gibt es keine einheitliche Definition von Superfoods. Welche Vorzüge die zehn am häufigsten zu den Superfoods gezählten Lebensmittel aufweisen ist in der folgenden Liste zusammengefasst.

Avocados

Die birnenförmigen Früchte haben zwar einen sehr hohen Fettanteil, jedoch handelt es sich dabei hauptsächlich um die wertvollen ungesättigten Fettsäuren. Diese helfen den Cholesterinspiegel zu optimieren, indem das LDL-Cholesterin gesenkt und das HDL-Cholesterin erhöht wird. Zudem sind Avocados die Früchte mit dem höchsten Gehalt an Vitamin E, welches unter anderem das Immunsystem stärkt. Außerdem enthalten sie mehr Kalium als Bananen.

Eine ganze und eine geöffnete, halbe Avocado, deren Kern sichtbar ist

Chia-Samen

Schon vor Jahrhunderten galten Chia-Samen aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte als wahre „Kraftpakete“. Sie sind reich an Protein (Eiweiß), ungesättigten Fettsäuren (vor allem Omega-3-Fettsäuren), sowie lebenswichtigen Vitaminen und Mineralien. Besonders hervorzuheben ist hierbei Niacin, welches blutdruckregulierend wirkt und den Stoffwechsel ankurbelt.
Kleines Häufchen Chia-Samen mit Getreideschaufel

Cranberries

Cranberries sind nicht nur bekannt für ihre lindernde Wirkung bei Blasenentzündungen, sondern sollen auch die Magen- und Darmflora, sowie das Immunsystem stärken.
Einige getrocknete Cranberries

Gerstengras

Bei Gerstengras handelt es sich um den Keimling der Gerstenpflanze, welcher aufgrund der frühen Ernte einen höheren Nährstoffgehalt als die ausgereifte Pflanze aufweist. Vor allem der Chlorophyllgehalt (und die damit einhergehende grüne Farbe) ist ein besonderes Merkmal des Gerstengrases. Es wirkt blutreinigend und kann dadurch Krankheiten vorbeugen. Außerdem ist Gerstengras reich an Protein (Eiweiß), Eisen und Vitamin C. Auch der hohe Gehalt an Enzymen wirkt sich positiv auf den menschlichen Körper aus, indem wichtige Stoffwechselprozesse unterstützt und das Immunsystem gestärkt wird. Aufgrund der basischen Eigenschaften, hilft Gerstengras den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren.

Goji-Beeren

Die Goji-Beere (auch Bocksdornfrucht) stammt aus China und ist aufgrund ihres hohen Gehalts an Mineralien und Spurenelementen ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie zeichnet sich vor allem durch ihren hohen Vitamin C– und Eisengehalt aus. Zusätzlich enthält sie unentbehrliche Fettsäuren, sowie alle essentiellen Aminosäuren.

Einige reife Goji-Beeren

In Supermärkten und Bio-Läden findet man zum Verzehr häufig getrocknete Goji-Beeren. Hier sind die reifen Beeren abgebildet.

Kakao

Roher Kakao ist eine hervorragende Quelle für Magnesium, Eisen und Kalzium. Zusätzlich ist er reich an einfach ungesättigten Fettsäuren.
Kakaobohnen und ein Löffel mit Kakaopulver über eine Tafel dunkler Schokolade

Maca

Diese Wurzel eines peruanischen Kressegewächses gilt als absolute Powerknolle. Maca enthält bis zu 16 Prozent Protein (Eiweiß), wovon ein hoher Anteil auf essentielle Aminosäuren entfällt. Außerdem strotzt Maca vor wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen. Auch der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien ist ein Markenzeichen der knollenartigen Wurzel. Darüber hinaus sind auch pflanzliche Sterole enthalten, welche die Testosteronbildung (bei Frauen die Östrogenbildung) stimulieren.

Moringa

Die Blätter des sogenannten Meerrettich-Baumes gelten als besonders nährstoffreich und werden in Entwicklungsländern sowohl frisch als auch getrocknet verzehrt. Vor allem der Vitamin-B2– und Vitamin-E-Gehalt stechen besonders hervor. Zusätzlich ist Moringa reich an Senfglykosiden, welche eine krebshemmende Wirkung haben.

Spirulina

Hierbei handelt es sich um eine blaugrüne Mikroalge, die einen sehr hohen Eiweißanteil (bis zu 60 Prozent!) aufweist. Damit liegt die Alge weit vor Fleisch (ca. 20 Gramm Protein/Eiweiß pro 100 Gramm) und Sojabohnen (ca. 35 Gramm Protein/Eiweiß pro 100g) und ist somit ideal als Ergänzung zum Muskelaufbautraining mit und ohne Geräte geeignet. Aber auch der hohe Gehalt von Eisen, Vitamin E und Beta-Carotin ist eine Besonderheit von Spirulina.

Weizengras

Die Eigenschaften des Weizengrases sind denen des Gerstengrases sehr ähnlich. Auch hier findet man viel Protein (Eiweiß), sowie Vitamine und Mineralstoffe. Einzig der Kaliumgehalt ist nur halb so hoch wie beim Gerstengras.

Superfoods: Forschung vs. Realität

Superfoods verdanken einen Großteil ihres Ruhmes dem Nachweis der in ihnen enthaltenen Nähr- und Vitalstoffe. Diese werden für die Auszeichnung auf den Lebensmittelverpackungen im Labor nachgewiesen. Inwiefern diese tatsächlich für den Menschen von Vorteil sind muss aber dennoch kritisch hinterfragt werden.

Bei der Forschungsarbeit im Labor kann die Auswirkung bestimmter Inhaltsstoffe auf Organismen zwar genau analysiert werden, jedoch muss man berücksichtigen, unter welchen Bedingungen dabei gearbeitet wird. Zum einen macht es einen großen Unterschied, welches Bezugsmodell verwendet wird: Im Labor sind das oftmals Ratten oder isolierte Kulturen menschlicher Zellen. Dadurch dass beim Menschen weitere Faktoren, wie zum Beispiel Gene und der Lebensstil zu berücksichtigen sind, ist es schwierig, vorherzusagen, wie sich der Verzehr gewisser Lebensmittel tatsächlich auf die Gesundheit auswirkt.

Eine wichtige Rolle spielen auch Menge und Häufigkeit der zugeführten Inhaltsstoffe. Im Labor wird tendenziell eine größere Menge des zu analysierenden Nährstoffs verwendet, der dem Versuchsobjekt regelmäßig zugeführt wird. Die gleichen Mengen in der gleichen Häufigkeit in einen ausgewogenen und realistischen Ernährungsplan einzubauen, ist aber häufig schwierig.

Zusätzlich sollte man auch bedenken, dass im Labor zumeist ein einzelnes Nahrungsmittel untersucht wird, sich der Mensch aber nicht ausschließlich davon ernährt, sondern verschiedenste Lebensmittel kombiniert. Auch dadurch kann die Aufnahme bestimmter Inhaltsstoffe beeinflusst werden.

Fazit: Superfoods sind kein Allheilmittel

Zwar kann man nicht bestreiten, dass die als Superfoods bezeichneten Lebensmittel einen vergleichsweise hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen usw. haben. Allerdings können Konsumenten durch diese Bezeichnung auch leicht in die Irre geführt werden. So wird beispielsweise das Brot aus dem Supermarkt, das dem Trend entsprechend nun plötzlich mit Chia-Samen bestreut wird, nicht automatisch zu einem gesünderen Lebensstil beitragen.

Man sollte keinesfalls vergessen, dass der Körper generell auf eine vielfältige und abwechslungsreiche Ernährung (und ergänzend dazu idealerweise regelmäßiges Functional Training) angewiesen ist. Deshalb sollte man eine größere Menge an Obst und Gemüse zu sich nehmen und sich nicht nur auf eine handvoll Superfoods beschränken.

Ernährt man sich jedoch ohnehin gesund und ausgewogen, kann man seine Mahlzeiten mithilfe unterschiedlichster Superfoods noch weiter aufwerten und sich selbst einen besonderen Nährstoffkick verleihen.

 

Hast Du schon einige Superfoods ausprobiert? Erzähl uns von Deinen Favoriten in den Kommentaren.

 

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